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SMC-B und TI: Wie profitieren Hilfsmittelerbringer?

SMC-B und TI: Wie profitieren Hilfsmittelerbringer?

Die Beantragung der Institutionskarte SMC-B ist nun für alle Hilfsmittelerbringer möglich – ein Meilenstein auf dem Weg in die Telematikinfrastruktur. Was bedeutet das konkret für den Arbeitsalltag im Hilfsmittelbereich? Rechnet sich die Anbindung? Und was können Hilfsmittelerbringer von denjenigen lernen, die schon länger an die TI angebunden sind?

Darüber haben wir mit Stephan Losse gesprochen. Er ist Head of Operations & IT bei der DZH und Geschäftsführer bei dem TI-Anschlussanbieter curenect, die beide zur opta data Gruppe gehören.

Stephan, die Antragstellung für die SMC-B ist jetzt für sogenannte unverkammerte Berufe freigeschaltet. Warum ist das eine so gute Nachricht für Hilfsmittelerbringer?

Das ist ein Riesending! Bisher war der Zugang nur in einzelnen Pilotregionen und ausschließlich für verkammerte Berufe möglich. Insgesamt konnte also nur ein sehr kleiner Teil aller Hilfsmittelanbieter über die Handwerkskammern Zugang zur TI bekommen. Jetzt können alle unverkammerten Hilfsmittelerbringer sofort loslegen. Wir finden das toll, denn das ist der Startschuss für eine flächendeckende Digitalisierung in der Branche.

Wie kommen Hilfsmittelerbringer jetzt an diese SMC-B ran und was benötigen sie noch, um in die TI zu starten?

Der erste Schritt ist die Meldung beim elektronischen Gesundheitsberuferegister (eGBr). Dort weisen Hilfsmittelerbringer ihren Betrieb nach, beispielsweise durch einen Handelsregisterauszug. Dort erhält man dann eine Vorgangsnummer, und die SMC-B kann durch einen Vertrauensdienstanbieter wie die D‑Trust ausgestellt werden. Diese Karte berechtigt dann zum Zugriff auf die TI. Das Verfahren ist übrigens viel einfacher als bei anderen Berufen, die zusätzlich noch einen elektronischen Heilberufeausweis (eHBA) für einzelne Personen benötigen. Der Prozess ist also deutlich niederschwelliger.

Zusätzlich zur Karte brauchen Hilfsmittelerbringer dann noch ein Kartenterminal zum Auslesen der SMC-B und den eigentlichen TI-Anschluss – vergleichbar mit einem Internetanschluss, nur eben für die gesicherte Datenautobahn im Gesundheitswesen. Den bekommt man bei einem Anschlussanbieter wie curenect. Dann benötigt man natürlich noch eine Software, die den Weg in die TI öffnet. Das kann eine Branchensoftware sein oder auch eine unabhängige Cloud-Lösung.

Wofür können Hilfsmittelerbringer den Zugang zur TI überhaupt verwenden? Was ist der größte Mehrwert im Alltag?

Der erste und aktuell wichtigste Dienst für Hilfsmittelerbringer ist KIM (Kommunikation im Medizinwesen). Das kann man sich vorstellen wie ein ganz normales E-Mail-Postfach, aber mit dem riesigen Vorteil, dass Gesundheitsdaten automatisch verschlüsselt werden. Man muss sich keine Sorgen um den Datenschutz machen.

Im Alltag bedeutet das: Wenn eine Verordnung unklar ist oder nicht zur Diagnose passt, können Hilfsmittelerbringer über eine KIM-Nachricht ganz einfach eine Rückfrage an die Arztpraxis schicken. Außerdem können Hilfsmittelerbringer Befunde anfordern oder direkt und unkompliziert mit Kostenträgern und Abrechnungsdienstleistern wie der DZH kommunizieren. Das fehleranfällige und eigentlich nicht mehr zeitgemäße Fax hat damit ausgedient.

Spart KIM denn wirklich spürbar Zeit?

Definitiv! Ein großer Anteil der Verordnungen muss korrigiert oder angepasst werden, damit sie abrechnungsfähig sind. Da sitzen Fachkräfte im Backoffice teilweise stundenlang am Telefon und versuchen, die Arztpraxen zu erreichen. Mit KIM lässt sich das asynchron und rechtssicher mit viel weniger Aufwand klären. Diese Zeitersparnis ist enorm.

KIM ist nur der erste Schritt. Welche weiteren TI-Anwendungen werden perspektivisch relevant?

Bei der elektronischen Patientenakte wird aktuell noch diskutiert, inwieweit Hilfsmittelerbringer Zugriff erhalten sollen. Aus Sicht der Versorgungsqualität ist das absolut sinnvoll. Wenn ein Sanitätshaus beispielsweise bei der Anpassung einer Orthese direkt über Nebendiagnosen wie Diabetes informiert ist, kann die Versorgung viel gezielter erfolgen.

Einen hohen Stellenwert hat außerdem die geplante eVerordnung. Wir haben als Teil der opta data Gruppe bereits ein großes Pilotprojekt zur eVerordnung mit über 30 Partnern erfolgreich abgeschlossen. Dabei haben wir tausende Verordnungen von der Arztpraxis bis zur Abrechnung digital durchgespielt. Die Technologie funktioniert bestens. Wir hoffen nun auf eine baldige offizielle Festlegung des Ablaufs, damit die Branche Planungssicherheit hat.

Lohnt sich der Aufwand heute schon wirtschaftlich?

Eine direkte Refinanzierung gibt es aktuell noch nicht. Hilfsmittelerbringer treten also erst einmal in Vorkasse. Die Erfahrung aus anderen Berufsgruppen zeigt aber, dass Refinanzierungen in der Regel rückwirkend greifen.

Aber selbst unabhängig davon macht sich der TI-Anschluss schnell bezahlt. Allein durch die massive Zeitersparnis bei der Klärung von Verordnungen über KIM rechnet sich die Investition schon heute. Mehr als 90 Prozent der Arztpraxen sind dann direkt über KIM erreichbar. Das Netzwerk ist also da und kann sofort genutzt werden.

Welche Fehler haben andere Leistungserbringer am Anfang gemacht, die Hilfsmittelerbringer jetzt vermeiden sollten?

Das größte Learning, insbesondere aus dem Pflegebereich: Warten Sie nicht bis zum letzten Moment! Als dort die Anschlussfristen näher rückten, wollten alle gleichzeitig in die TI. Das führte zu monatelangen Wartezeiten bei den Kartenherausgebern und Anschlussanbietern. Aktuell bekommt man die SMC-B in etwa 2 Wochen. Wer jetzt startet, umgeht einen solchen Stau und kann sich im eigenen Tempo an die TI herantasten. Deshalb ist mein Appell: Schließen Sie sich lieber heute als morgen an.

Ein weiterer Ratschlag betrifft größere Filialisten. Wer viele Standorte und eine eigene IT-Infrastruktur oder Rechenzentren hat, braucht hochgradig individuelle TI-Lösungen. Hier ist frühzeitige Beratung durch Expert:innen extrem wichtig, um die optimale Architektur aufzusetzen. Dann ist die Antragstellung für die SMC-B nur ein kleines Puzzlestück.

Was sind die ersten Schritte für einen Hilfsmittelerbringer, der sich an die TI anschließen will?

Sprechen Sie einfach Ihren bekannten Ansprechpartner bei der DZH an. Wir begleiten Ihren TI-Anschluss sehr gerne. Dafür sind wir eng mit curenect vernetzt, die auf diesem Gebiet absolutes Spezialwissen hat. Durch diesen Wissenstransfer finden wir schnell die passende Lösung und minimieren Stolperfallen von Anfang an.