SM-B: Kartenlos in die TI starten

Der Einstieg in die Telematikinfrastruktur (TI) wird für Hilfsmittelerbringer einfacher. Die SM-B reduziert den technischen und administrativen Aufwand – und eröffnet gleichzeitig neue Perspektiven für die mobile Versorgung.
Wie Hilfsmittelerbringer mit der SMC-B in die TI starten können, haben wir bereits in einem früheren Beitrag behandelt. Jetzt folgt das wichtige Update: Andre Lyhs erklärt im Interview, was die SM-B für Sanitätshäuser bedeutet. Als Head of Marketing, Sales & Business Development bei unserem Partner curenect kennt er sich bestens mit der praktischen Anbindung aus, Im Interview erklärt er die Chancen, die Hilfsmittelerbringer jetzt nutzen können.
Die SMC-B ist der Schlüssel zur TI. Jetzt kommt mit der SM-B eine digitale Alternative hinzu. Was genau ist der Unterschied, Andre?
Grundsätzlich erfüllen SM-B und SMC-B denselben Zweck: Sie weisen einen Betrieb gegenüber der Telematikinfrastruktur aus. Nur mit dieser Institutionsidentität können Hilfsmittelerbringer TI-Anwendungen auch nutzen. Bei der SMC-B liegt die Identität auf einer physischen Karte. Die SM-B ist dagegen die digitale Variante. Hier verwaltet ein besonders geschütztes Sicherheitsmodul die Schlüssel und Zertifikate der Institutionsidentität zentral im Rechenzentrum.
Ganz praktisch heißt das: Die Authentifizierung ist nicht mehr an eine Karte im Betrieb gebunden. Die Anbindung wird flexibler, während die Technik vor Ort schlank bleiben kann.
Warum ist das gerade jetzt für Hilfsmittelerbringer interessant?
Für Hilfsmittelerbringer ist beim TI-Einstieg vor allem KIM relevant, die Kommunikation im Medizinwesen. KIM ermöglicht einen sicheren Austausch von sensiblen Gesundheitsdaten, etwa mit Arztpraxen.
Diese Art der TI-Nutzung macht die SM-B für Hilfsmittelbetriebe so interessant: Fällt die physische Institutionsidentität auf einer Karte auch weg, braucht es das Kartenterminal erstmal gar nicht. Der Einstieg in die TI ist also vergleichsweise einfach.
Bedeutet die SM-B, dass Betriebe für ihren TI-Zugang komplett ohne Hardware auskommen?
Nicht vollständig, aber die Technik im Betrieb kann damit deutlich schlanker ausfallen. Mit der SM-B entfällt zunächst die physische SMC-B. Den Rest bestimmen die vorhandene IT-Infrastruktur und der geplante Einsatz. Eine Hardware-Firewall kann als Teil der Netzwerksicherheit sinnvoll sein. Für mobile Arbeitsabläufe braucht es Tablets oder Smartphones. Weitere TI-Anwendungen können zusätzliche Anforderungen mit sich bringen. Für den Einstieg bleibt es aber dabei: Für den TI-Anschluss mit Institutionsidentität und KIM braucht es nicht zwingend neue Hardware.
Wie verändert sich der Alltag, wenn die Institutionsidentität digital hinterlegt ist?
Die SM-B erleichtert den Weg in die TI einerseits bei der Einrichtung. Die Institutionsidentität muss zwar weiterhin beantragt und aktiviert werden. Sie wird aber nicht mehr als physische Karte an den Betrieb geschickt. Damit entfällt auch die Abstimmung über Liefertermine, Installation und Logistik.
Im laufenden Betrieb liegen Verwaltung und Wartung der Anbindung dann weitgehend beim TI-Gateway-Anbieter. Hilfsmittelerbringer müssen keine Karte vor Ort stecken oder entsperren, keine PIN am Kartenterminal eingeben und keine ablaufenden Karten oder Zertifikate im Blick behalten. Das ist eine große Erleichterung gegebüber den Prozessen, die bisher Standard waren.
Welche Vorteile bietet die SM-B Betrieben mit mehreren Standorten?
Kernvorteil der SM-B ist zusätzliche Flexibilität. Für Betriebe mit mehreren Standorten kann eine zentral verwaltete Institutionsidentität deshalb besonders interessant sein. Die technische Grundlage ist dann nicht mehr mit einem bestimmten Arbeitsplatz verknüpft, sondern ortsübergreifend nutzbar.
Ob mehrere Standorte tatsächlich über eine zentrale Authentifizierung arbeiten können, hängt allerdings von der technischen Ausgestaltung des Gateways und den regulatorischen Vorgaben ab. Insbesondere bei mehreren Unternehmen, Institutionskennzeichen oder Versorgungsaufträgen ist im Einzelfall zu prüfen, ob mehrere digitale Identitäten erforderlich sind.
Was braucht es, damit die SM-B in der mobilen Versorgung eingesetzt werden kann?
Die SM-B ist ein Baustein für stärker ortunabhängige TI-Prozesse. Im Hilfsmittelbereich stellt das bei Auslieferungen oder Anpassungen vor Ort eine wichtige Möglichkeit dar. Das kann im Alltag schon jetzt sinnvoll sein. Für einen durchgängig mobilen Prozess braucht es neben der eigentlichen TI-Anbindung allerdings noch weitere Komponenten, vor allem eine passende Branchensoftware.
Was empfiehlst du Hilfsmittelerbringern, die ihren TI-Zugang jetzt aufsetzen möchten?
Wichtig ist, keine Angst vor dem Einstieg in die TI zu haben. KIM bietet einen sinnvollen ersten Anwendungsfall, bevor später weitere Anwendungen für Hilfsmittelbetriebe folgen. Informationsangebote, Pilotprojekte und Erfahrungen anderer Betriebe geben zusätzlich Orientierung. Deshalb gilt jetzt: mutig starten und auf den eigenen Erfahrungen weiter aufbauen.
Die Frage der Refinanzierung ist derzeit noch offen. Das sollten Betriebe bei ihrer Planung berücksichtigen. Eine rückwirkende Regelung wird erwartet, nur die Höhe und konkrete Ausgestaltung sind noch nicht abschließend geklärt.
Die DZH begleitet Hilfsmittelerbringer gemeinsam mit curenect auf ihrem Weg in die TI – von der ersten Orientierung bis zum Anschluss. Gehen Sie dafür gern auf Ihre bekannte DZH-Ansprechperson zu. Gemeinsam finden wir den passenden Einstieg in die TI.